Ruhrtalradweg von Winterberg bis Dortmund

Ich hatte ja versprochen dass dieses Wochenende wieder eine Tour geplant war. Ich war aber nicht laufen oder wandern, sondern bin den Ruhrtalradweg von Winterberg bis Dortmund gefahren, 140km in zwei Tagen mit dem Tourenrad.

Und als erstes muss ich ja mal ganz grundsätzlich sagen, so kleine Mini-Urlaube sind schon etwas sehr feines. Freitags Abends Vorbereitungen und Taschen packen, Samstags morgens los, eine Übernachtung in der Fremde, Sonntags wieder weiter und dann Abends das Wochenende zuhause ausklingen lassen. Dadurch dass man Samstags morgens direkt los fährt ist man direkt im Urlaubsmodus, und durch das weitermachen am Sonntagmorgen hat man auch das Gefühl einer längeren Tour, aber komprimiert auf zwei Tage. Viel besser kann man ein Wochenende eigentlich nicht nutzen.

Der Ruhrtalradweg hat sich angeboten, weil eine Bahn von Dortmund direkt zum Start fährt, ohne Umsteigen, die Anreise also sehr einfach ist, der Weg ist relativ gut ausgeschildert und eine große Planung und Navigation war nicht nötig, und weil ein „nach Hause fahren“ auch nett ist. Außerdem geht es in diese Richtung nur bergab. Ideal für so einen Kurzurlaub also.

Um das Ganze nicht ganz so einfach zu machen sind wir natürlich trotz der echt miesen Wetteraussichten losgefahren und haben für die Übernachtung ein Zelt eingepackt. Wetter ist halt immer, darauf Rücksicht zu nehmen nutzt ja nix.

IMG_20160625_095110

In Winterberg angekommen geht es erst mal bergauf zur Ruhrquelle (von wegen „nur“ bergab), und dann, wie der Name des Weges vermuten lässt, einfach weiter durch das Ruhrtal. Während neben einem die Ruhr immer breiter wird, und sich von einem Rinnsal in den Fluss wandelt den wir hier „unten“ kennen, muss man eigentlich nur dem wirklich gut beschilderten Wegen folgen. Die Beschaffenheit der Wege ist durchgehend gut und lässt sich problemlos fahren, ist aber nicht nur Asphalt sondern auch viel Schotterwege und auch abschnittsweise Waldwege. Insgesamt ist der Weg wirklich schön. Bedingt durch die Eigenschaften der Landschaft (es ist ein Tal), lässt es sich natürlich nicht vermeiden auch mal an größeren Straßen fahren zu müssen, denn da Quetschen sich Bahn, Straßen und der Fluss durch, aber man wird immer wieder für solche Passagen entschädigt.

IMG-20160626-WA0009 DSCN4500 IMG-20160626-WA0008 DSCN4501

Wer eine sportliche Herausforderung sucht, sei es mit dem Mountainbike oder dem Rennrad, wird damit wohl nicht zufrieden sein. Für das Mountainbike ist der Weg zu einfach, für das Rennrad sind da zu viele Streckenabschnitte nicht ausgebaut genug, aber mit dem Tourenbike kommt man da wunderbar zurecht. Und ich wollte ja auch keine sportliche Herausforderung, sondern einen Kurzurlaub.

Das Wetter war anfangs echt gnädig. Bewölkt, nicht zu kalt, und nur ab und an ein wenig Fisselregen. Bestes Radfahrwetter also – bis es nach etwa der Hälfte der Strecke richtig anfing zu regnen. Was erst mal gar nicht so schlimm war, ich wusste worauf ich mich einlasse, die Vorhersage hatte es ja vorher gesagt, und ich war mental drauf eingestellt. Nur als dann der Gegenwind einsetze und den Regen mit Schmackes ins Gesicht blies, war es gar nicht mehr so einfach die Stimmung oben zu halten.

Als weiteres Schmankerl hat sich dann heraus gestellt, dass der Mantel und der Schlauch meines Hinterrades ihre besten Zeiten auch schon hinter sich haben. Für die die es noch nicht wissen: eine porösen Mantel im strömenden Regen flicken ist gar nicht so einfach. Wenn man dabei Schutz unter einer Brücke sucht unter der zufällig auch ein Auto mit einem Hundeanhäger steht und der Hund darin völlig ausrastet und durchgehend bellt macht es das nicht unbedingt einfacher.

Irgendwie haben wir dann uns und auch unsere gute Stimmung bis nach Arnsberg bekommen. Der eigentliche Plan sah vor, dort etwas zu Abend zu essen und dann ein paar Kilometer abseits der Route auf einem Campingplatz zu übernachten. Doch durchgefroren, nass bis auf die Knochen und in Aussicht auf einen regendurchweichten, schlammigen Campingplatz war schnell klar: so ein Hotelzimmer mit warmer Dusche hat auch was. Die günstigen Zimmer waren natürlich alle Ausgebucht, aber was soll’s, ist ja nur für eine Nacht. Und Arnsberg ist zum Glück auf Radfahrer eingestellt, so dass wir weder im Restaurant noch im Hotel mit den dreckigen Taschen und Radfahrkleidung Probleme hatten, und die Räder über Nacht wegschließen gehört auch mit zum Standardangebot.

Am nächsten Morgen schien dann die Sonne, ich konnte noch mal in Ruhe das Hinterrad begutachten, und nach Kaffee und Frühstück ging es auch schon weiter.

Die zweite Etappe ist deutlich flacher, die allermeisten Höhenmeter (es müsste hier korrekt „Tiefenmeter“ heißen, weil bergab) liegen schon hinter einem. Da das Wetter ziemlich gut war sind natürlich auch die ganzen Schönwetterradler aus ihren Löchern gekrochen, und es wurde an manchen Stellen richtig voll. Aber schön war’s. Landschaft, Strecke, alles herrlich, und es gab auch schon erste Kirschen am Wegesrand als Wegzehrung.

IMG-20160626-WA0002 IMG-20160626-WA0008 DSCN4511

Viel zu schnell sind wir dann auch schon in Schwerte gelandet, wo wir den Ruhrtalradweg verlassen mussten, und mit kleinem Umweg über den Phoenixsee war der Urlaub auch schon zu ende.

Auch wenn die ganze Übung in erster Linie als Kurzurlaub gedacht war, insgeheim habe ich das natürlich auch als Übungslauf gesehen, wenn ich das ganze mal sportlicher angehen will. In mir ist die Zuversicht gewachsen, dass ich mit diesem Rad auch längere mehrtägige Touren mit schweren Gepäck, wenn das kein Kurzurlaub mehr ist, gut meistern kann. Allerdings werde ich dafür einen anderen Sattel brauchen, denn dieser war gegen Ende des zweiten Tages nicht mehr so angenehm. Und vorher kontrollieren, wie der Zustand von Mantel und Schlauch so ist.

Eine Antwort auf „Ruhrtalradweg von Winterberg bis Dortmund“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.