Der Emsradweg

So. Nach zwei (sportlich) sehr intensiven Wochen muss ich ja langsam mit dem Recap anfangen, denn Eindrücke wollen ja auch ausgerückt werden, und ich werde das Ganze chronologisch angehen. First things first. Und angefangen hat alles mit der Idee, dass so ein Bier am Strand ja eigentlich was ziemlich nettes ist, also habe ich mich aufs Rad geschwungen und bin ans Meer gefahren.

So weit die Kurzfassung. Zwischen der Idee und dem Bier am Meer lagen natürlich mehrere Tage Planung, und die 400km Strecke fährt sich ja auch nicht von selber. Und es ging ja auch vor allem um die Fahrt, das Bier am Strand war mehr eine Ausrede um einen Grund für die Fahrt zu haben. Bevor ich aber von der Fahrt berichte will ich noch folgendes loswerden: wer im Detail wissen will wie so eine Fahrt so ist, der möge sich bitte selber auf den Weg machen!

Also, Bier am Strand war die Idee, und im Regal steht die Karte des Emsradweges eh schon viel zu lange unbenutzt. Ich hatte ja letztens schon eine mehrtägige Radtour gemacht, und ich brauchte von der intensiven Vorbereitung für den Vulkan-Marathon im September eh mal eine kleine Auszeit vom Laufen. Irgendwie hat sich alles von selber ergeben.

Ziemlich schnell stand fest dass ich die Distanz in drei Etappen überwinden wollte, und mit Blick auf die Verteilung der Campingplätze habe ich mich dazu entschlossen, das in 160, 130 und 110 Km Blöcke auf zu teilen. Das Ganze ist ein Kompromiss zwischen durchballern und auch noch ein wenig Zeit haben das ganze zu genießen, und das hat sich als ganz guter Plan heraus gestellt. Gerade am letzten Tag wollte ich möglichst früh in Norddeich ankommen, um eine möglichst frühe Fähre auf die Insel zu bekommen. Am ersten Tag hatte ich auch noch die Möglichkeit einer schönen Mittagspause inklusive Essen in Münster, was bei etwa 80km liegt, da hat sich die Distanz von 160km am ersten Tag ja auch von selber ergeben.

Die erste Etappe von Dortmund nach Münster war mir schon mehr oder weniger bekannt, da ich sie schon mal gefahren bin. Das bestimmende Bild ist hier der Dortmund-Ems-Kanal. Die Strecke lässt sich eigentlich ziemlich gut fahren, aber wegen vieler Baustellen und nur sehr ungenügend ausgeschilderten Umleitungen des Radweges bin ich am Ende dann doch ein wenig ins Schwitzen gekommen, um mein Date zum Mittagessen noch rechtzeitig erreichen zu können. Insgesamt die langweiligste Etappe, aber gut zum reinkommen.

Die zweite Etappe von Münster nach Salzbergen war dann gleich viel spannender. Es ging jetzt nicht mehr am Kanal, sonder an der Ems entlang, und auch wenn der Fluss natürlich das immer wiederkehrende Thema war, ist die Strecke doch um einiges abwechsungsreicher als gedacht. Der Weg lässt sich gut fahren, ist hervorragend ausgeschildert so das eine Oldschool-Navigation nur mit Karte und nach Schildern ohne Probleme möglich ist. Ich meine ich hätte während der ganzen Etappe nur ein mal mein Handy herraus geholt zur aktuellen Positionsbestimmung.

So macht Fahrrad fahren Spaß!

Abends habe ich dann erschöpft aber glücklich den Campingplatz in Salzbergen erreicht. Wie das heutzutage so üblich zu seien scheint, bedeutet „Campingplatz“ in diesem Fall „Stadtteil in dem keine Häuser sondern nur Wohnwagen dauerthaft stehen“, und in dem ich mich mit meinem Zelt auf eine minimini Rasenfläche hinter dem Klohaus „ausbreiten“ konnte. Neben mir war noch ein weiteres Paar so verrückt wirklich in einem Zelt schlafen zu wollen, und wir haben unsere zwei Zelte so gerade eben auf die zur Verfügung stehende Fläche quetschen können.

Aber, ich konnte mich nach dem einfachen aber nahrhaften Mahl welches ich mir zubereitet hatte an den Fluss setzen und das schnell noch im nahen Supermarkt erstandene Bier genießen.

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Am nächsten Morgen dann fix zusammengepackt, gefrühstückt und wieder ab auf’s Bike auf die dritte Etappe von Salzbergen nach Papenburg. Und das ist ja das was ich mag, egal ob bei mehrtägigen Wanderungen oder Radtouren, dieses Abbauen des Lagers und wieder aufbrechen, dieses „Leben unterwegs„. Leider habe ich dann nach 10 Minuten fahrt, kurz hinter Salzbergen einen viel schöneren Campingplatz von einem Ruderclub entdeckt, wo auch mehrere Zelte standen und einige Fluss- und Radwanderer übernachtet hatten. Das wäre die bessere Wahl gewesen.

Die Strecke ging weiter wie sie am Abend vorher endete. Immer durch das Emsgebiet, mal am Fluss mal durch die umliegenden Gebiete, durch kleine Bauernschaften, Felder und Städte. Und ich hatte wirklich Glück mit dem Wetter. Es waren Schauer angekündigt, und den ganzen Tag sah ich durch das flache Land die Regenwolken ziehen, aber irgendwie bin ich immer genau zwischen, vor oder hinter den Schauern her gefahren. Nur einmal habe ich meine Regenjacke raus geholt, aber das war eigentlich auch unnötig denn ich habe nur ein paar Tropfen abbekommen.

Okay, ein Regenschauer hat mich doch erwischt. Ich hatte gerade eine schöne Stelle zur Mittagspause gefunden, mein Rad abgestellt, da fing es an zu tröpfeln. Und gerade als ich mich dann in den Unterstand gesetzt hatte fing es richtig an zu schütten. Und dann saß ich da, aß mein selbstgebackenes Bananenbrot mit Erdnussbutter und war einfach nur glücklich. Es sind die kleinen Dinge! Hat der Regenschauer mich also doch nicht erwischt.

Trotz des 160km vom Vortag bin ich ziemlich gut vorran gekommen, und ich habe auch festgestellt dass die Strecke ziemlich beliebt ist, denn immer wieder haben ich kleinere und größere Gruppen von anderen Radwanderern überholt, die das ganze ein wenig entspannter angegangen sind als ich.

Ziel des Tages war ein Campingplatz am Tunxdorfer See bei Papenburg was ja erst mal ziemlich nett klingt, sich aber leider wieder als ziemlicher Griff ins Klo herraus gestellt hat. Okay, ich hatte da keine Probleme, die Menschen waren alle nett und so… aber es war eben wieder ein Campingplatz nur für Dauercamper, und ich konnte mich da wieder in eine kleine freie Ecke quetschen. Wieder zusammen mit einem anderen radwandernden Paar.

Aber gut, nach zwei Tagen im Sattel war ich eh relativ platt und haben den Tag recht schnell beendet, um ausgeruht für den letzten Tag zu sein. Und das war auch wirklich nötig.

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Fing die vierte Etappe von Papenburg nach Emden noch relativ gut an, war von anfang an klar dass das Wetter nicht halten würde, und ich definitiv mit Regen zu kämpfen haben werde. Es war nur die Frage wie weit ich noch trocken kommen würde. Weit war das nicht. Von Papenburg an sind die Radwege wirklich erstklassig ausgebaut, und es fährt sich trotz der mittlerweile knapp 300km in den Beinen wie von selbst, aber wenn dann der Regen einsetzt und sich noch Gegenwind dazu gesellt wird es zur harten Prüfung. Der Regen sollte mich den ganzen Tag begleiten, und ich war dann schon darüber glücklich, nicht nur Gegenwind zu haben. Von der Strecke und der Landschaft habe ich dann nicht mehr viel mitbekommen, schnell ging es bei mir nur noch darum irgendwie voran zu kommen und dem Regen zu trotzen, und die Aussicht auf eine Mittagspause mit warmen Kaffee in Emden Endpunkt des Emsradweges waren die größte Motivation.

Es kam dann wie es kommen musste, kurz vor Emden ist noch eine kleine Fähre zu nutzen um über die mittlerweile recht breite Ems zu gelangen, und ich habe ganz knapp die letzte Fähre vor der Mittagspause verpasst, so dass ich anderthalb Stunden klatschnass am kleinen Hafen in Ditzum warten musste, und die für Mittagspause verplante Zeit nicht in einem warmen Lokal mit Kaffee, sondern auf der überdachten (immerhin!) Bank am Hafen verbrachte.

Bis zur nächsten Überfahrt sollten sich dann noch jede menge weitere Radfahrer so wie drei Posche inklusive ihrer schnöseligen Fahrer einfinden, die sich dann alle auf die winzigkleine Fähre quetschen mussten. Aber irgendwann war ich dann drüber, und habe dann nach einem kleinen Umweg den Endpunkt des Emsradweges erreicht, immer noch im strömenden Regen, und habe mir dann trotzdem noch einen warmen Kaffee in Emden gegönnt.

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(Die Brücke wäre mit dem Auto übrigens nur ein paar Minuten entfernt, aber sie mussten ja die Fähre nehmen)

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Ab hier wurde es dann Spaßig. Strömender Regen, Wind, 350km in den Beinen, keine Karte mehr und durch die unfreiwillige Pause trotz kürzester Tagesdistanz drohender Zeitdruck. Diese letzte Etappe von Emden nach Norddeich waren die längsten 50km der Tour, und ich habe die wenigsten Erinnerungen daran, weil ich nur mit mir und der Strecke gekämpft habe. Ich war bemüht dass zur Navigation benötigte Handy so selten wie möglich aus der Tasche zu holen, um es dem Regen nicht unnötig aus zu setzen, aufgrunddessen habe ich mich mehrmals verfahren, und das Handy am Ende doch kaputt bekommen. Aber irgendwie habe ich dann doch den Hafen in Norddeich Mole erreicht, und konnte dann mit einer Fähre später als geplant, die vorletzte des Tages, rüber nach Norderney.

Das Bild, wie ich da pitschepatsche nass mit einem völlig verdreckten Fahrrad auf der Fähre saß muss herrlich gewesen sein. Immerhin hatte ich mitlerweilse aufgehört zu regnen. Glücklicherweise war der Supermarkt noch auf, und ich konnte den Tag und damit auch die Tour mit einem riesen großen Haufen Soulfood beenden.

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So, und was lernen wir jetzt aus dem ganzen?

  • Ich hatte keinen Platten und auch sonst kein einziges Problem mit dem Fahrrad oder sonst einem Teil meiner Ausrüstung. Was schade ist, denn so konnte ich nicht feststellen ob die Auswahl an Werkzeugen auch gut war, oder ob ich nicht vielleicht zu viel oder zu wenig mitgeschleppt habe.
  • Okay, das Problem mit dem Handy und dem Regen. Ich werde mir wohl ein Navi zulegen müssen. Ist ja für’s Geländelaufen auch praktischer als das Handy
  • Aber auch die Oldschool-Navigation mit Karte und Schildern ist toll, macht Spaß und man lernt die Gegend viel besser kennen, denn man muss überlegen wo man ist, und nicht nur dem Punkt auf der digitalen Karte folgen. Gutes Konzept!
  • Auch körperlich keine Probleme. Klar, anstrengend, aber keine Krämpfe, keine Probleme im Knie oder Rücken oder Hintern.
  • Viel mehr oder weiter hätte es zu diesem Zeitpunkt, mit dem Rad und der Menge an Gepäck auch nicht seien dürfen. Für längere Touren mit diesem Setup sollten die Tagesetappen kürzer sein, für längere Etappen muss ich ein schnelleres Bike und weniger Gepäck mitschleppen.
  • Damit komme ich natürlich direkt zur Anschlussfrage: Und nu? Ideen sowohl für längere als auch schnellere Touren fangen an in meinem Kopf herrum zu schwirren.
  • Denn eines ist mal klar: Mir macht sowas Spaß. Auch wenn der letzte Tag vor allem eine Prüfung des Willens war, das Gefühl dann an zu kommen und es geschafft zu haben entschädigt für alles.
  • An meinem Rad fehlt noch ein Halter für einen Kaffeebecher, und ich irgendwie brauche ich auch noch eine Kaffeemaschine im Hosentaschenformat. Ich hörte da mal von „Aeropress“ als Stichwort.

Eine kleine Anekdote von der Strecke habe ich noch: beide Paare mit denen ich den knappen Platz für Zelte geteilt habe, waren ziemlich nett. Aber wenn wir uns über die Tour und die Etappen unterhielten haben beide Männer ganz schnell betonen müssen, dass „sie“ das ja auch schneller hinbekommen würden. Anscheinend hielten sie es für nötig sich dafür rechtfertigen zu müssen, entspannter unterwegs zu sein. Schon witzig.

Das versprochene Bier am Strand gab es dann am nächsten Tag, und dann ging es auch schon wieder, diesmal mit dem Zug, gen Heimat.

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5 Antworten auf „Der Emsradweg“

  1. Hallo Robert,

    sau gut deine Dokumentation über Deinen Trip des Emsradwegs.

    In meinem Kopf spukt dieser Gedanke, dieser kleine verrückte Gedanke, den ERW zu erlaufen.
    Entweder hat das noch nie jemand gemacht oder es ist so lange her dass dieses Event noch nicht im Internet dokumentiert wurde.
    Ich habe da ein zwei Fragen, evtl. kommen im Dialog noch welche hinzu.
    Wenn du magst:

    Warum hast du auf Campingplätzen gezeltet? und nicht in Jugendherbergen genächtigt bzw wild gecampt?

    Danke schon mal
    Christian

  2. Erst einmal: Danke!

    Und zu deiner Frage: Ich Zelte gerne, deswegen war Jugendherberge kein Thema für mich. Ich weiß dass ich viel Gepäck hätte sparen können (Zelt/Luftmatratze/etc), aber das war Teil des Spiels. Mit leichterem Gepäck und dann vielleicht auch dem schnelleren Rad wäre auch interessant, dann aber auch sportlicher und in zwei oder sogar weniger Tagen.

    Hätte ich gewusst wie die Campingplätze aussehen hätte ich wohl wild gecampt. Aber ich was doch recht froh über die Dusche, ein richtiges Klo und dass ich meinen Wasservorrat auffüllen konnte.

    Aber die 400km Laufen ist ne Nummer… an wie viele Tage hast du da gedacht?

    1. Ah, ok!
      Der Wunsch/ Plan ist/ wäre es irgendwo bei Telgte/Münster einzusteigen. Konkret gibt es da noch gar nichts. Eher eine Machbarkeitsstudie. Ich denke 50km müssten es schon sein. Dann der Rucksack mit dem Schlafsack und Bivy oder alternativ von Jugendherberge zu Jugendherberge. Kosten deutlich höher, Transport deutlich angenehmer…

  3. Also, die Strecke ist gut mit dem Rad zu fahren, und ich denke sie sollte auch gut zu laufen sein, wenn dir die eher flache norddeutsche Landschaft nicht zu langweilig ist.
    Wenn du kein „Team“ hast, solltest du dir vorher gut ansehen wo Supermärkte bzw Versorgungsstellen sind, streckenweise sind die rar gesät.

    Machbar ist es definitiv. Viel Spaß 😀

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