10. EN-Bürgermeister Lauf- und Wandertag Rund um Ennepetal

Letzten Sonntag fand der 10. EN-Bürgermeister Lauf- und Wandertag Rund um Ennepetal statt, und das muss ich mal eben aufarbeiten. Oder auch: aus versehen Marathon.

Bei der Veranstaltung handelt es sich um einen so genannten Freundschaftslauf, es gibt also keine Wertung und es ist kein Wettrennen, sondern alle laufen in einer Gruppe einen Tag lang durch den Wald. Unterteilt ist die insgesamt 56 km lange Strecke in 5 Etappen, an deren Ende jeweils ein Verpflegungspunkt wartet. Außerdem gab es die Möglichkeit, mit einem Bustransfer vom Sportplatz in Ennepetel an dem sich das „Hauptquartier“ der Veranstaltung befand zu den einzelnen Etappenpunkten zu fahren, so dass man zu jeder Etappe ein- oder auch aussteigen konnte.

Durch diesen Modus konnten bei der Veranstaltung Läufer verschiedenster Leistungsniveaus miteinander Laufen. Die erfahrenen Ultra-Läufer die die komplette Distanz absolviert haben eben so wie die noch nicht so erfahrenen, die dann nur eine, zwei oder drei Etappen dabei waren. Und da es kein Wettkampf war sind alle gemütlich miteinander gelaufen und es wurde sehr viel gequatscht. So weit ich das mitbekommen habe war die Stimmung die ganze Zeit klasse, und ich muss den Organisatoren ein riesen Lob aussprechen, denn das hat wirklich alles top funktioniert. Eine wirklich tolle Veranstaltung, und ich werde nächstes Jahr mit Sicherheit wieder dabei sein.

Dieses Jahr habe ich erst ganz knapp vorher (letzten Mittwoch) erfahren dass das stattfindet, aber da ich eh 30km profiliert in meinem Trainingsplan stehen hatte passt diese Veranstaltung ja ausgezeichnet, immerhin ist das auch eine Landschaftslauf mit etwa 1500 Höhenmetern auf der gesamten Strecke, und sie führt fast komplett durch Wälder und hat auch einen gewissen Singletrailanteil. Drei Etappen und dann Schluss, das war der Plan

Da ich auch hin und wieder schlafen muss und die Verbindung mit dem ÖPNV am frühen Sonntag morgen von Dortmund nach Ennepetal eher bescheiden ist, habe ich dann kurzerhand doch erst mit der zweiten Etappe angefangen. Zusammen mit etwa 10 anderen Läuferinnen wurde ich dann pünktlich zum ersten Etappenpunkt gefahren, wo wir nur wenige Minuten warten mussten bis die Gruppe von bestimmt 150 Leuten in einer langen Linie den Feldweg entlang kam. Dort traf ich dann auch Christian und Patrick, über die ich von dem Lauf erfahren hatte.

Trotz der weit über 30°C und knallender Sonne lief es für mich ziemlich gut, und ich hatte von Anfang an Spaß bei dem Lauf. Die Strecke hat mir gut gefallen und ich habe mit vielen interessanten und netten Menschen gequatscht (über die sich jetzt schon wieder gefährliche Connections zu ergeben scheinen). Natürlich wurde ich auf meine Barfußschuhe angesprochen, aber es gab auch eine Gruppe (oder nennt man sowas „Crew“?) von Sandalenläufern, mit denen ich mich ausführlich austauschen konnte.

Die Verpflegung and den Etappenpunkten war wirklich 1a-spitzenklasse, aber besonders den außerplanmäßigen Verpflegungspunkt auf der dritten Etappe muss ich lobend hervor heben. Da haben Anwohner an der Strecke mit einem Gartenschlauch eine Dusche improvisiert und Wassereis und Melone verteilt. Ganz großes Kino! Leider hat sich die Gruppe am Ende der dritten Etappe (für mich die zweite) dann spürbar verkleinert. Viele Leute sind ausgestiegen weil sie es so geplant hatten, aber leider musste auch Christian abbrechen. Für mich stand noch eine Etappe auf dem Plan, aber seien wir mal ehrlich: glaubt irgendjemand ich hätte danach Schluss gemacht?

Am Ende der vierten Etappe, ich hatte mittlerweile auch meine 34km in den Beinen, waren es wohl noch 20 Leute die sich auf den Weg machten, viel von ihnen Mitglieder der Ennepetaler Sportfreunde und somit „alte Hasen“, aber mir ging es immer noch so gut dass ich natürlich noch weiter gelaufen bin.

Und was soll ich sagen, es hat sich wirklich gelohnt. Das letzte Stück der Strecke war noch mal richtig toll (oder besser: gerade das letzte Stück war noch mal richtig toll), aber auch die Gruppe hat so wie sie war ziemlich gut funktioniert. Immerhin waren wir uns hinterher alle darüber einig dass die zusätzlichen Verpflegungspunkte nur zur Verweichlichung der Läufer beitragen 😉

Nach Sechseinhalb Stunden, etwa eine Stunde davon Pause an den VPs, in denen ich über 1.200 Höhenmeter auf einer gesamten Strecke von 43.5km überwunden habe, sind wir dann alle gemeinsam in einer Gruppe über die letzte Staumauer an der Heilenbecker Talsperre ins Ziel gelaufen.

Und wenn man es jetzt ganz genau nimmt könnte auffallen dass 43.5km ja mehr sind als ein Marathon, streng genommen bin ich gestern also aus versehen einen Ultra gelaufen.

Und so einen Ultra läuft man natürlich nicht, ohne auch was zu lernen:

  • Mein Setup funktioniert! Weder Kleidung noch Schuhe noch Rucksack noch Ernährung (Hauptsächlich Datteln, Äpfel und Bananen) haben irgendwo irgendwelche Probleme gemacht. Nix scheuert, nix juckt, keine Blasen und keine Magenprobleme.
  • Wenn ich nur langsam genug Laufe, genug Trinke, genug Esse und genug Schatten da ist, ist es für mich möglich auch länger als 40km bei der Hitze zu laufen.
  • So etwas ist prima um mich ein wenig zu bremsen. Ich tendiere dazu immer ein wenig zu flott zu starten (wer nicht?), aber durch die erfahreneren Ultra-Läufer die dafür gesorgt haben dass das Tempo die komplette Zeit über sehr ruhig war, war ich gezwungen das ganze auch ruhig zu gestalten. Anders hätte ich das wohl nicht so leicht geschafft.
  • Aber ich muss auch sagen: ich bin fit. Mein Trainingsplan scheint zu funktionieren, und am meisten wundert mich, dass ich am Tag danach ins Fitnesstudio gehen konnte, so als wäre nix gewesen. Am Tag nach einem Gerade-eben-so-Ultra. Auch wenn ich natürlich den Rest des Sonntages damit verbracht habe alles zu essen was irgendwie in Reichweite war.

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3 Antworten auf „10. EN-Bürgermeister Lauf- und Wandertag Rund um Ennepetal“

  1. Schön geschriebener Artikel!
    Dieser Lauf war vor zwei Jahren mein erster Ultra, gerade wegen der Sicherheit, alle ~12 km aussteigen zu können. Ich mag diese Laufveranstaltungen a la laufender Kaffeeklatsch sehr gern. Entspannt, man lernt neue Leute kennen oder alte wieder und hat Zeit zum quatschen, was bei WK’s ja nicht immer der Fall ist – da reicht es oft ja nur für ein kurzes „Hallo“.
    Und was mir auch immer wieder fasziniert, ist wie gut der Körper lange Distanzen verpackt, wenn man sie ruhig genug angeht. Während ein Marathon, bei dem man um eine Bestzeit gerungen hat, einen schon mal für ein paar Tage bewegungsunfähig macht, verursacht ein locker gelaufener Ultra maximal ein klein wenig Muskelkater…

    1. Danke!
      Aus eben diesen Gründen (Gleichgesinnte treffen und sich gegenseitig versichern dass man noch nicht völlig bekloppt ist) mag ich solche Veranstaltungen ja auch, und ich bin auch immer auf der Suche nach Veranstaltungen dieser Art.
      Ich hoffe ja das Hagen Hills klappt, das könnte auch nett werden.

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