1. Vogelsberger Vulkan-Trail

So, das war er also, mein Saisonhöhepunkt. Lange habe ich drauf hin trainiert, die letzten 12 Wochen Trainingsplan waren ja nur das „finish„, und zack, ist es auch schon vorbei. Ich muss muss jetzt irgendwie überlegen wie es war, bin in Gedanken aber auch schon dabei zu überlegen was jetzt kommt. Doch dazu später mehr, ich versuche mich jetzt mal zusamen zu reißen und einen kleinen Rückblick des Racedays zu verfassen.

Beginnen muss ich ja eigentlich mit dem Trainingsplan, welchen ich wirklich sehr akribisch durchgezogen habe. Wie ich hier ja auch schon öfter erwähnt hatte war ich wirklich zufrieden mit dem Plan, ich hatte eigentlich die meiste Zeit Spaß und keine Verletzungs- oder Krankheitsbedingten Ausfälle. So im Groben und Ganzen kann ich nur sagen dass ich mich gut vorbereitet gefühlt habe. Ich würde sogar fast sagen, dass viel mehr an Vorbereitung in dieser Zeit für mich und mein Leistungsniveau nicht drin gewesen ist. Mehr währe Übetraining gewesen.

Wegen der gar nicht so kurzen Anreise sind wir am Samstag dann schon um halb 8 gestartet, und waren dann rechtzeitig in Schotten dass wir uns noch in Ruhe orientieren konnten. Viel Zeit zum Abhängen war aber auch nicht mehr. Ich würde sagen: wir sind genau richtig angekommen. Die anderen beiden aus meinem Team sind den Halbmarathon gelaufen und hatten dann noch mehr Zeit, dafür durften sie aber sitzen während ich in der Zeit laufen musste.

Vor Ort lief alles ziemlich entspannt. Das ganze war eine sehr kleine Veranstaltung, und durch die versetzten Startzeiten war alles sehr übersichtlich. Einzig dass der Bustransfer zum Start Geld kostet könnte angekreidet werden. Aber da meine Begleiter mit zum Start gekommen sind haben wir kurzerhand das Auto genommen und sind selber gefahren. Für uns Mararathonläufer_innen (und später auch für den Halben) war der Start an der einer Verpfegungsstelle der Ultra-Strecke, und so konnten wir schon ein paar der Läufer_innen anfeuern während wir auf den Start gewartet haben. Um kurz vor 11 standen wir dann mit denn 30-40 Leuten da, und ziemlich pünktlich ging es dann auch recht unspektakulär einfach los.

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Ich bin von ganz hinten gestartet (was bei dem kleinen Starterfeld jetzt nicht so entscheidend ist), da mein wichtigstes Anliegen war auf gar keinen Fall, unter keinen Umständen, mich am Anfang direkt mitreißen zu lassen und zu überpacen. Ich kenne mich, ich lasse mich gerne Anstecken, und das galt es unbedingt zu vermeiden.

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Natürlich habe ich trotzdem erst mal ein paar überholt, habe mich dann aber in einem Grüppchen eingefunden welches ein ansprechendes Tempo gelaufen ist. Bei einem recht frühen Downhill-Part habe ich mich an die Spitze der Gruppe gesetzt (Downhill macht mir schon Spaß…) und war dann ganz verwundert als ich beim ersten Verpflegungspunkt nach etwa 10 km feststellen musste, dass ich die Gruppe weit hinter mir gelassen habe. Aber egal, ich hatte mein Tempo gefunden und bin von da an mehr oder weniger alleine gelaufen. An welcher Stelle im Feld ich mich bewegte konnte ich überhaupt nicht abschätzen, ich wusste vorne sind welche direkt am Start abgezogen, ich habe von ganz hinten ein paar überholt, aber das war auch mein ganzer Informationsstand. Wenn die Strecke mal ein bisschen gerade aus ging, was wirklich sehr selten der Fall war, habe ich vor mir mal wen gesehen, aber das war auch alles.

Aber die Strecke. Die war, das muss einfach gesagt werden, BOMBE. Da haben die vom TGV Schotten einfach mal ganze Arbeit geleistet. Natürlich gab es zwischendurch auch mal „Waldautobahn“, aber zu dem größten Teil waren es einfach richtig schöne gewundene Trails die man da ablaufen durfte. Toll. Sehr anspruchsvoll, aber toll. So wollte ich es.

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Natürlich gab es an der Strecke keine Zuschauer, nur ab und an mal Wanderer die an dem Tag da auch unterwegs waren, aber wenn wir Zuschauer gewollt hätten, hätten wir ja nach Berlin (oder Köln) fahren können. Wir wollten Strecke und Landschaft, und die haben wir geliefert bekommen.

Zwischendurch habe ich immer wieder Läufer_innen der Ultra Distanz passiert, was aber ganz gut war, die Streckenmarkierung war zwar „okay“, aber ab und an eine Versicherung dass man noch richtig ist war schon ganz hilfreich.

Irgendwo zwischen dem zweiten und dritten VP habe ich mich dann ein wenig verfranst, war da aber nicht der einzige und habe dann zusammen mit einem der Ultraläufer die Strecke gesucht, das hat bestimmt 4-5 Minuten gedauert. Als ich dann auf den nächsten (dritten) Verpflegungspunkt zulief merkte ich dass durch die Verzögerung wieder Marathonläufer hinter mir waren und aufholten. Ich habe mich aber nicht von meiner Strategie abbringen lassen, und trotzdem ganz in Ruhe was getrunken und ein wenig Obst mit Salz gegessen. Nicht so einer der Verfolger, er hat in Windeseile seinen Becher gefüllt und ist da nur so durchgerast, hat kaum angehalten und ist so an mir vorbei gezogen. Auf Nachfrage bei den Helferinnen habe ich erfahren, dass geschätzt so „um die 5“ Marathonis durch währen, ich war also in der Spitzengruppe (auch wenn man da nicht von Gruppe reden kann, wie sehr habe ich erst hinterher erfahren). Wow, damit hatte ich nicht gerechnet. So professionell wie die Läufer_innen am Start alle aussahen habe ich mich maximal im Mittelfeld gesehen. Aber ich war vorne, Gejagter und nicht Jäger. Gut, damit kann ich umgehen. Beflügelt von den neuen Informationen habe ich die Beine in die Hand genommen und konnte schnell sehen das meine Strategie wohl nicht verkehrt war. Den Läufer der am VP noch so schnell an mir vorbei gezogen ist, wir waren da mittlerweile bei km 32, hatte ich schon nach wenigen hundert Metern wieder eingeholt und auch schnell wieder weit hinter mir.

Ab dem gerade besprochenen VP ging die Strecke fast nur noch bergab, und kurze Zeit später ist auch die Halbmarathon-Strecke dazu gestoßen. Ich habe die Gelegenheit genutzt mich hinter einen der Läufer zu hängen. Ich war ein wenig überrascht dass es noch ging, immerhin hatte ich bald 35 km mit viel Steigung in den Beinen, aber eine Zeit lang konnte ich noch mithalten, bis ich ihn dann ziehen lassen musste.

Beim letzten VP, 5 km vor dem Ziel, hieß es dann es wären so 10 Marathonläufer_innen durch. Wie kann das denn sein? So weit ich das mitbekommen habe ist niemand an mir vorbei gezogen. Aber gut, es ist ja auch egal, ich konnte zu dem Zeitpunkt schon sagen dass der ganze Lauf einfach toll war. Wenn ich auf den letzten paar Kilometern nicht noch groß stürzen würde oder sonst was passiert würde ich sogar unter 4 Stunden bleiben, und damit wären eigentlich alle meine Ziele erreicht: Heile ankommen, viel Spaß haben, falls möglich unter 4 Stunden bleiben. Also noch mal die letzten Kräfte mobilisieren und ab ins Tal, das Ziel schon fast vor Augen.

Und dann, viel schneller als erwartet, kam auch schon die letzte Wiese und es ging ins Dorf, runter von den Trails und auf die Zielgerade. Vor mir niemand, hinter mir niemand und die „3“ auf der Uhr sicher vorne, da konnte ich mich auch nicht mehr zu einem Schlussspurt aufraffen, trotzdem hoffe ich eine ganz gute Figur gemacht zu haben während ich dann nach 3:54:39 das Ziel überquerte.  Und dank modernster Technik konnte ich direkt auf einem Bildschirm im Zielbereich die Platzierung überprüfen: 4ter gesamt, 2ter in der Altersklasse. Wahnsinn!

Mir war zwar klar dass ich einen für mich wirklich guten Lauf hatte, aber dass ich so weit vorne war, damit hatte ich jetzt nicht gerechnet. Ich bin überglücklich und auch ein klein wenig Stolz.

Man kann aber nicht davon sprechen dass ich knapp am Treppchen vorbei gelaufen bin, der gesamt Dritte war gut 15 Minuten vor mir. Das wäre, für mich, an dem Tag, dieses Jahr, auf keinen Fall mehr drin gewesen. Ich kann mit gutem Gewissen sagen dass ich an dem Tag alles gegeben habe, mehr war nicht möglich, und das ist für mich das wichtigste. Ich habe genau das geliefert was ich zur Verfügung hatte, ich habe nicht überpaced, bin aber auch nicht zu langsam gelaufen, die Ernährungsstrategie hat funktioniert, ich hatte den ganzen Lauf über Spaß, habe mich nicht Stressen lassen und ich musste mich nicht quälen. Dass es dann noch mit einer ganz guten Platzierung belohnt wurde ist das Sahnehäubchen, mehr aber auch nicht. Auch wenn ich mich darüber natürlich tierisch freue.

Durch die versetzen Startzeiten musste ich dann nur wenige Minuten warten bis die Teamkollegen, die den Halbmarathon gelaufen sind, auch im Ziel waren, und wir konnten auf noch eine Altersklassenplazierung für das Team anstoßen.

Und dann begann das Warten.

Bis wir mit dem ersten refill der Energiereserven und dem Duschen durch waren war es fast halb 5, die Siegerehrung stand für 6 Uhr auf dem Programm, und da wir zwei Platzierungen hatten haben wir uns entschlossen das noch mit zu nehmen, trotz der langen Rückfahrt. Also haben wir uns in den Zielbereich gesetzt und den letzten Läufern und Läuferinnen die da noch eintrudelten zugejubelt. Die Läufer_innen der Ultradistanz waren da um die 9 Stunden unterwegs als sie eingetroffen sind. Das verdient noch mal einen extra großen Respekt.

Für mich und die andere Veganerin im Team gab es natürlich nichts wirklich was zu essen, und als wir dann um 6 Uhr alle in der Halle versammelt waren hingen uns die Mägen schon in den Kniekehlen. Und irgendjemand vom TGV Schotten hatte wohl die grandiose Idee, dass es doch total nett wäre noch ein Rahmenprogramm an zu bieten, und so saß da ein Raum voll mit Menschen die den ganzen Tag auf den Beinen waren und auf den Trail alles gegeben haben, und musste sich noch ein Unterhaltungsprogramm anschauen, bis es dann auf sieben Uhr zuging als die Siegerehrung endlich los ging.

Aber, das Programm was da geboten wurde war wirklich nett, keine Frage, das möchte ich gar nicht kritisieren, aber zu dem Zeitpunkt absolut unpassend. Wie gesagt, einige der Ultraläufer waren 9 Stunden unterwegs und mussten dann da sitzen. Wir wollten nach Hause, hatten Hunger, waren müde, und wenn wir gewusst hätten dass wir erst nach 7 los kommen wären wir nicht geblieben. Dieser Abschluss hat den Gesamteindruck des Tages leider ein wenig getrübt.

Trotzdem, wir waren uns auf der Rückfahrt einig was für ein toller Tag das war, dass es sich absolut gelohnt hat, wir alle waren mit unseren Leistungen zufrieden und der Termin für nächstes Jahr steht schon im Kalender.


Ich war dann so gegen halb 10 wieder in meinem Fuchsbau, und mein Magen war mittlerweile so leer dass mir richtig übel war und ich mir mit viel Überredung so gerade eben ein paar Scheiben leichtes Toastbrot rein zwängen konnte, um überhaupt etwas gegessen zu haben. Das war nicht gut!

Am nächsten Morgen dann die Überraschung: es ging mir gut! Keine Schmerzen in den Beinen, und nach einem ausgiebigen Frühstück fühlte ich mir natürlich immer noch ein wenig matt, aber nicht viel mehr als nach einem normalen harten Trainingstag. Auch am Tag danach war es mir ohne Probleme möglich Treppen hoch und runter zu gehen. Und da kommen dann doch die Zweifel: habe ich vielleicht doch nicht alles gegeben? Hätte ich mich mehr quälen sollen? Oder vielleicht doch den Ultra laufen?

Doch, ich habe für mich entschieden: nein, es war alles gut genau so wie es war. Alles richtig gemacht. Und mit diesem wohligen Gefühl freue ich mich jetzt auf die nächsten Trainingseinheiten und Wettkämpfe. Wie genau es weiter geht, wie die nächsten Ziele aussehen, davon soll ein anderes mal berichtet werden. Aber da ich aktuell auch wieder öfter auf dem Rennrad sitze, braucht man ja nur 1 und 1 (und 1) zusammen zu zählen, um eine grobe Richtung erahnen zu können.

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